
Keine Ruhe in unserem nicht vorhandenen Alltag.
Wir bekommen immer noch keine Ruhe in unseren eigentlich gar nicht vorhandenen Alltag.
Genau vor einem Jahr, im August 2025, bekam Bayda die Diagnose: aggressiver Krebs.
Die erste Operation hat sie nur knapp überstanden. Beim späteren Fädenziehen fiel einer anderen Tierärztin jedoch ein weiterer Knoten in der Brustleiste auf. Sie wunderte sich, warum in Deutschland nicht gleich die gesamte Brustleiste entfernt worden war.
Zwei Monate später kamen wir genau zu dieser Tierärztin zurück, um die erste Brustleiste vollständig entfernen zu lassen. Bayda war damals noch 14 Jahre alt – und vor allem war der Krebs noch nicht in der Lunge angekommen. Sie überstand die Operation gut.
Im Mai 2026 folgte die nächste große OP. Mittlerweile 15 Jahre alt, bekam Bayda auch die zweite Brustleiste entfernt. Dieses Mal verlief die Operation schwieriger. Für einen auffälligen Lymphknoten blieb während des Eingriffs keine Zeit mehr.
Leider bestätigte die anschließende Laboruntersuchung unsere Sorge: Auch in diesem Lymphknoten wurden aggressive Krebszellen gefunden – derselbe Krebs wie zuvor in der Brust.
Der Krebs ist also weitergewandert.
Eigentlich wollte unsere Tierärztin Bayda keine weitere Operation mehr zumuten. Doch die genauere Analyse brachte zumindest einen Hoffnungsschimmer: Der betroffene Bereich scheint abgekapselt zu sein. Damit besteht die Chance, dass sich die Erkrankung von dort aus noch nicht weiter ausgebreitet hat.
Und genau diese Chance möchte unsere Tierärztin Bayda geben.
Der nächste OP-Termin ist morgen, am 12. August 2026. Allerdings nur unter drei Bedingungen: Bayda muss fit sein, ihre Blutwerte müssen stimmen und der Krebs darf noch nicht in der Lunge angekommen sein.
Bayda ist fit.
Und deshalb ist die Hoffnung groß, dass sie noch einmal operiert werden kann.
Natürlich ist jede Operation ein Risiko – ganz besonders für unsere ältere Prinzessin. Aber wir vertrauen unserer Tierärztin. Und Baydas biologisches Alter scheint ohnehin nicht viel mit der Zahl in ihrem Pass zu tun zu haben. Sie hat Lebensfreude, sie möchte raus, sie möchte entdecken und es geht ihr im Alltag gut.
Tatsächlich ist Bob momentan weniger fit als Bayda. Ob das noch mit seiner lebensbedrohlichen Situation Ende Juni zusammenhängt? Auch er hat zwei Tage später einen weiteren Termin.
Doch jetzt sind wir erst einmal froh, dass wir angekommen sind.
Zwölf Stunden vor Baydas OP-Termin. Wieder viele Kilometer und viele Tage später.
Und diese Reise hatte es in sich.
1000 Dank an unseren neuen Akku – und auch an den Getriebeschaden, der uns noch kurz vor der Abfahrt überraschte. So etwas braucht wirklich niemand vor einer solchen Reise. Zum Glück passierte es wenigstens eine Woche vor der geplanten Abfahrt und nicht irgendwo unterwegs.
Bis heute die Nachricht mit den Anweisungen für die letzten Stunden vor der OP kam, war unsere kleine Welt noch mehr oder weniger in Ordnung.
Diese Reise gehörte Bayda.
Sie bekam den Panorama-Ausguckplatz im eVan und wir entschieden uns bewusst für die kühlere Route entlang der Küste. Bayda ist zwar eine Wüstenhündin, liebt aber grünes Gras genauso sehr wie Sand. In letzter Minute hatten wir sogar noch eine mobile Klimaanlage besorgt, damit diese lange Reise mitten im Hochsommer überhaupt gut machbar war.
Und Bayda?
Sie hatte während der gesamten Reise eine wahre Freude.
Genau deshalb wurde es mit der Nachricht heute plötzlich emotional.
An der letzten Ladesäule sprach mich eine ZOE-Fahrerin auf die Hunde an. Und da kullerten bereits die Tränen. Sie hatte selbst schon einen Hund verloren – und irgendwann lagen wir uns tatsächlich einfach in den Armen.
Was für eine emotionale Begegnung an einer Ladesäule.
Obwohl ich diese Strecke schon mehrfach gefahren bin, habe ich mich anschließend auf den letzten 20 Kilometern tatsächlich noch verfahren.
Verkehrschaos. Stau.
Bitte einfach nur ankommen.
Und dann: geschafft.
Unser Lieblingsstellplatz.
Es fühlt sich mittlerweile fast ein bisschen wie nach Hause kommen an.
Und dann machte es plötzlich: brumm, brumm.
Zu später Stunde kam noch ein Wohnmobil, stellte sich direkt ans Meer – und das Brumm-Brumm ging weiter. Zehn Minuten. Zwanzig Minuten. Dreißig Minuten.
Das ging nicht mit mir.
Ich brauche meine Ruhe!
Also meldete sich das deutsche Ich in mir und klopfte an die Tür.
Ob es denn vielleicht möglich wäre, den Motor abzustellen?
Nein. Nicht möglich. Licht gäbe es nur bei laufendem Motor.
Autsch.
Zum Glück sind sie nach etwa 45 Minuten wieder abgefahren.
Und schon wieder so ein kleiner Vorteil von eCampern …
Jetzt liegen nur noch wenige Stunden vor uns.
Und morgen wird alles gut gehen.
Der Krebs wird nicht in der Lunge sein. Baydas Blutwerte werden gut sein. Und am Nachmittag werde ich meine Prinzessin wieder in die Arme schließen können.
Natürlich weiß ich, dass ein Hundeleben irgendwann zu Ende geht. Und ich weiß auch, dass Bayda ein gutes Leben hatte und hat.
Aber sie ist eben nicht „nur mein Hund“.
Da sind verdammt viele Gefühle.
Seit wir auf engstem Raum gemeinsam im eVan leben, sind wir zu einem unglaublichen Team geworden. Im Rückblick muss ich sogar sagen, dass wir vermutlich ohne das ganze Gerichtsdrama niemals so eng zusammengewachsen wären.
Dieses Drama hätte trotzdem nicht sein müssen.
Aber hätten wir sonst so viel Zeit gemeinsam im eVan verbracht? Wären wir so viele Kilometer zusammen gefahren? Hätten wir all diese verrückten, schönen, schwierigen und manchmal völlig unerwarteten Momente miteinander erlebt?
Wer weiß.
Kurzum: Wir haben das Beste aus der Situation gemacht.
Oder besser gesagt: Wir machen es noch immer.
Mit ganz viel Unterstützung von ganz lieben Menschen da draußen.
Und jetzt zählt erst einmal nur morgen.
Bayda. ❤️






































