
Es gibt sie natürlich immer noch – die ePioniere. Auch im Jahr 2026.
Der deutsche YouTuber Marc (@marctravels) versucht, mit seinem Elektromotorrad Energica von Deutschland bis nach Südafrika zu fahren. Ein ambitioniertes Projekt, das gleichzeitig auch einer Marke neuen Rückenwind geben könnte: Energica. Die italienische Firma war zwischenzeitlich insolvent, wurde jedoch durch einen Aufkauf wiederbelebt.
Die technischen Daten klingen vielversprechend: rund 300 km Reichweite und die Möglichkeit, per DC-Schnellladung zu laden. Doch genau hier beginnt die Realität der Langstrecke.
Laden bis Südafrika – (noch) nicht wirklich möglich
DC-Laden endet auf dieser Route faktisch bereits in Südmarokko. Der letzte verlässliche Schnelllader befindet sich in Agadir. Die Frage ist also: Kommt der nächste erst wieder in Südafrika?
Immerhin hat die erstmals ausgetragene RIVE2Dakar-Challenge gezeigt, dass sich Ladeinfrastruktur zumindest bis südlich von Dakar erweitern lässt. In Gambia ist das Reisen mit Schuko-Laden noch machbar. Ab Guinea wird es jedoch deutlich komplexer: schlechte Straßenverhältnisse, Regenzeit und zunehmende logistische Herausforderungen kommen hinzu.
Auch die Grenzübertritte werden Richtung Süden immer anspruchsvoller. Freunde von mir (@offroadfun.de) mussten ihre Reise erst kürzlich kurz vor Togo abbrechen und umkehren. Dazu kommen politische Unsicherheiten in mehreren Regionen. Nigeria beispielsweise gilt aktuell nur im Konvoi als sinnvoll durchquerbar.
Mit dem E-Motorrad durch Afrika – zwischen Vision und Realität
Natürlich gibt es Reisende, die diese Strecken dennoch bewältigen – mit Auto, Fahrrad oder in seltenen Fällen sogar mit Elektrofahrzeugen. Besonders beeindruckend war bislang die Durchquerung durch vier leichte Elektrofahrzeuge Ami von Citroën (@lacroisiereverte)
Zurück zu Marc:
Als er in Marokko ankam, kam ich gerade aus Gambia zurück.

Zufällig genau zum richtigen Zeitpunkt: Seine Freundin hatte in Indien einen Unfall, und Marc suchte kurzfristig einen sicheren Stellplatz für seine Energica. Diesen konnte ich ihm organisieren.
Nur wenige Tage später wurde zudem seine geplante Flugroute über Dubai gestrichen. Mit mehreren Umwegen und unterschiedlichen Airlines schaffte er es schließlich zurück nach Marokko – allerdings angeschlagen und gesundheitlich nicht auf der Höhe.
Ursprünglich war geplant, die Reise gemeinsam mit seiner Freundin bis nach Südafrika fortzusetzen. Doch ihre Genesung wird noch Zeit brauchen.
Die Sahara als erster echter Härtetest
Noch nicht vollständig erholt, aber mit gemischten Gefühlen, brach Marc schließlich Richtung Mauretanien auf. Die Sahara ist für jedes Fahrzeug eine Herausforderung – für ein Elektrofahrzeug umso mehr: extreme Winde, große Distanzen und der ständige Blick auf die verbleibende Reichweite.

Auch Marc geriet in einen Saharasturm und versuchte, Energie zu sparen, indem er im Windschatten eines LKWs fuhr. Dieser hielt jedoch unerwartet an, um einen Anhalter mitzunehmen.
Es kam zum Unfall. Die Energica wurde beschädigt und verlor Flüssigkeit. Damit verschärfte sich die Situation zusätzlich: gesundheitlich angeschlagen, alleine unterwegs und nun auch noch mit einem beeinträchtigten Motorrad.
Eine vernünftige Entscheidung
Meiner Meinung nach hat Marc genau richtig gehandelt: Er hat die Reise abgebrochen.
Ich bin dankbar, in solchen Momenten auf gute Kontakte zurückgreifen zu können. Schnell konnte ein Pickup organisiert werden, und Marc erreichte sicher seine Fähre.

Das Motorrad schaffte es anschließend noch zurück nach Hause. Kurz darauf trat Marc auch seinen Flug nach Indien an.
Ein neuer Abschnitt
Heute geht es ihm wieder besser. Er lächelt wieder – und hat sich sogar ein lokales Tuk-Tuk zugelegt. Seine Freundin kann inzwischen auf ein privates „Taxi“ zugreifen, bis sie selbst wieder Motorrad fahren kann.
Marc ist derzeit mit seiner EV-Motorrad-Community in Bangalore unterwegs.
Klingt alles ein bisschen verrückt? Vielleicht. Aber ich kann diesen Lebensstil gut nachvollziehen. Und es tut gut, immer wieder andere „schwarze Schafe“ zu treffen, die ähnlich denken und reisen.
Ich hoffe, dass ich ihn wieder in Afrika treffe, wenn es irgendwann wieder heißt:
Deutschland – Südafrika 2.0























