
Mehr als nur barfuß – eine Freundschaft fürs Leben
Es bereitet mir große Freude, anderen Menschen eine Freude zu machen. In diesem Fall beruht diese Freude jedoch auf absoluter Gegenseitigkeit.
Noch bevor ich 2012 meinen ersten Job nach dem Studium bei TWIKE im Raum Marburg antrat, hatte ich mich bereits dem Vorfußlaufen verschrieben. Meine ersten fünf Marathons absolvierte ich schon während meiner Studienzeit. Allerdings war das damals etwas zu viel des Guten – ich zog mir einen Meniskusriss zu und eine Operation wurde empfohlen.
Statt den operativen Weg zu gehen, entschied ich mich für ein Vorfußlaufseminar in der Schweiz. Diese Entscheidung sollte mein Leben nachhaltig verändern. Während meiner Zeit in Marburg lernte ich schließlich die Barfußlauf-Community kennen. In dieser inspirierenden Gemeinschaft konnte ich mich Schritt für Schritt zurückkämpfen – bis hin zu meinem ersten Barfußmarathon.
Heute blicke ich auf mehr als zehn Jahre Barfußlaufen zurück. Noch immer werde ich unterwegs regelmäßig darauf angesprochen oder bewundert. Für mich selbst ist es längst zur Normalität geworden. Über die Jahre haben sich Sehnen, Muskulatur und Lauftechnik so entwickelt, dass auch längere Distanzen für mich gesund und schmerzfrei möglich sind. Seit ich barfuß laufe, gehören Knieprobleme – zumindest bei mir persönlich – der Vergangenheit an.
Diese positiven Erfahrungen gebe ich gerne weiter. Gleichzeitig nutze ich den besonderen Aufmerksamkeitseffekt des Barfußlaufens immer wieder, um auf Themen aufmerksam zu machen, die mir am Herzen liegen. So absolvierte ich beispielsweise den Barfußmarathon in Marrakesch im Hundekostüm, um auf Sterilisationsprojekte für Straßenhunde aufmerksam zu machen. Wer auffällt, kann Menschen erreichen – und manchmal sogar zum Nachdenken bewegen.
Das Marburger Barfußteam war für mich jedoch weit mehr als eine sportliche Gemeinschaft. Es wurde während meiner Zeit bei TWIKE zu einem wichtigen sozialen Anker.
Mein Alltag bestand damals gefühlt aus TWIKE, TWIKE, TWIKE, Hunden und noch mehr TWIKE. Das Unternehmen lag in einem kleinen Dorf, und das wöchentliche Lauftraining war oft meine einzige Gelegenheit, aus dieser beruflichen Bubble herauszukommen und nach Marburg zu fahren. Dort traf ich Menschen, mit denen nicht die Arbeit im Mittelpunkt stand, sondern die gemeinsame Freude am Laufen.
Aus diesen Begegnungen entstanden Freundschaften, die inzwischen seit weit über zehn Jahren bestehen.
Besonders dankbar bin ich dafür, dass mich das Barfußteam auch während einer der schwierigsten Phasen meines Lebens begleitet hat. Während der jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen (leider immer noch bis zum heutigen Tage) nach meiner unschönen Trennung von TWIKE stand die Gruppe stets hinter mir. Diese Unterstützung war alles andere als selbstverständlich und bedeutet mir bis heute sehr viel.
Die Stadt Marburg fühlt sich immer noch ein Stück weit wie Heimat an. Und das Barfußteam hat daran einen entscheidenden Anteil. Deshalb versuche ich jedes Jahr im Sommer, möglichst viele gemeinsame Trainings und Laufveranstaltungen mitzunehmen. Es ist jedes Mal ein bisschen wie nach Hause kommen.
Alle vier Jahre wird traditionell der Marburger Barfußlaufpreis verliehen. Nach über zehn Jahren Barfußlaufen durfte ich diese besondere Auszeichnung in diesem Jahr selbst entgegennehmen.
Sie steht für mich nicht nur für sportliche Leistungen, sondern vor allem für eine Gemeinschaft, die mich über viele Jahre begleitet, getragen und unterstützt hat.
Genau deshalb habe ich mich über diesen Preis ganz besonders gefreut. Er ist für mich weit mehr als eine Auszeichnung – er ist ein Symbol für Freundschaft, Zusammenhalt und einen gemeinsamen Weg, der vor vielen Jahren mit einem einzigen Schritt begann. Barfuß.









































