
Es ging alles sehr schnell.
Bob wurde zunehmend schwächer. Am Ende waren seine Schleimhäute fast weiß – Zunge und Zahnfleisch wirkten regelrecht blutleer. Meine Angst war riesig und sie ist bis jetzt geblieben.

Bereits um 7:00 Uhr morgens waren wir beim Tierarzt, um 8:00 Uhr wurden wir als Notfall behandelt. Die Blutwerte zeigten sofort einen extrem kritischen Zustand. Ohne Zeit zu verlieren wurden mehrere Tierkliniken in Frankfurt und Gießen kontaktiert, um einen Platz für Bob zu finden.



Schließlich fuhren wir direkt nach Frankfurt. Dort angekommen, sahen wir eine überfüllte Klinik und wurden informiert, dass Hunde dort im Triage-System nach Dringlichkeit aufgenommen werden. Bob war bereits als akuter Notfall angemeldet – und wurde entsprechend priorisiert.
Sein Zustand war lebensbedrohlich. Die Schleimhäute waren nahezu vollständig entfärbt. Kurz darauf kam das Triage-Team direkt zu uns. Die Einschätzung war eindeutig: Bob braucht sofort eine Bluttransfusion. Jede Minute zählt.

Während ich nur noch funktionierte, wurde parallel alles organisiert. Ein Spenderhund wurde gesucht. Gute Freunde aus der Region südlich von Wiesbaden machten sich sofort auf den Weg – mit ihrem Hund, trotz der rund 1,5 Stunden Anfahrt.
In der Zwischenzeit wurde Bob mehrfach geröntgt, um die Ursache des Blutverlustes zu finden. Leider blieb sie unklar. Da sein Kot schwarz war und somit auf innere Blutungen hindeutete, wurde ein Verdacht auf den Magen-Darm-Trakt gelegt. Bob bekam sofort Magenschutz und wurde stationär aufgenommen.
Die Situation fühlte sich an, als würde alles gleichzeitig passieren – zu schnell, zu viel, zu überwältigend.

Dann kam der Spenderhund. Obwohl er eigentlich nicht alle idealen Kriterien erfüllte (Auslandshund, erst seit zwei Jahren in Deutschland), blieb keine Alternative: Die Klinik hatte kein Blut mehr. Die Entscheidung war klar – entweder dieses Blut oder Bob hätte keine Chance.
Der Spenderhund wurde gründlich untersucht, die Blutwerte waren stabil und geeignet. Über 400 ml Blut wurden entnommen und direkt zu Bob gebracht. Die Transfusion sollte mindestens fünf Stunden dauern.
Ich durfte ihn in dieser Zeit nicht sehen. Man sagte mir, ich würde nur informiert werden, falls sich sein Zustand verschlechtert.
Falls sich seine Blutwerte am nächsten Tag nicht stabilisieren, würden weitere Spenderhunde aus dem Raum Frankfurt benötigt werden.
Währenddessen versuchte ich selbst, irgendwie den Überblick zu behalten. Es war heiß, alles war zu viel. Ich versuchte einen Moment Ruhe zu finden und gleichzeitig über mein Netzwerk weitere mögliche Spenderhunde zu organisieren.
Und dann geschah etwas, das mir Hoffnung gab: Innerhalb der Communities wurde mein Aufruf weitergetragen – sogar über Influencer auf YouTube. So konnte bereits ein weiterer Spenderhund für den nächsten Tag organisiert werden. Auch für Donnerstag gibt es möglicherweise eine Zusage. Aus der veganen Community kam ebenfalls Unterstützung.
Diese Welle der Hilfe hat mich überwältigt. Alleine hätte Bob das nicht überstanden.
Gleichzeitig bleibt die wichtigste Frage offen: Was ist die Ursache für den massiven Blutverlust? Und wird Bob stabil bleiben?
Ich selbst begleite seit einem Jahr meine Krebshündin Bayda, was diese Situation zusätzlich emotional sehr schwer macht. Auf Bob war ich nicht vorbereitet. Es ist einfach alles zu viel gewesen.
Trotzdem bin ich dankbar. Mein Hund wurde zumindest für heute durch viele Menschen, Netzwerke und Gemeinschaften gerettet – auch finanziell. Dafür fehlen mir fast die Worte.
Bob fehlt mir sehr. Er ist in der Klinik, ohne mich, und ich weiß, wie schwer das für ihn sein muss – und auch für mich ist es kaum auszuhalten.
Ich hoffe sehr auf einen positiven Anruf morgen.






