
Der Albtraum ist vorbei – und der Worst Case ist zum Glück nicht eingetreten
Nach einer stationären Nacht in der Tierklinik erhielt ich einen Anruf. Ich sollte ihnen helfen, Bob aus seiner Hundebox zu holen, damit weitere Untersuchungen durchgeführt werden konnten. Bereits während der Bluttransfusion musste er sediert werden. Ohne mich war Bob für das Klinikpersonal kaum handelbar.
Da das auf Dauer keine Lösung war, durfte ich ihn schließlich – auf eigenes Risiko – mitnehmen. Die Tierärzte erklärten mir genau, worauf ich als „Hundekrankenschwester“ achten musste. Beim kleinsten Anzeichen einer Verschlechterung sollte ich sofort zurück in die Klinik fahren. Außerdem standen weiterhin regelmäßige Blutkontrollen an. Sollte der Hämokritwert erneut sinken, würde Bob weitere Blutspender benötigen.
Nach der Bluttransfusion stieg sein Hämokritwert von 15,3 auf 18. Eigentlich immer noch viel zu niedrig, um einen Hund aus der Klinik zu entlassen. Trotzdem durfte er mit mir gehen.
Die Familie des Spenderhundes nahm uns zunächst bei sich auf. Bei Temperaturen von fast 40 Grad war selbst in meinem eVan keine ausreichende Kühlung mehr möglich. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Gleichzeitig begann die Suche nach weiteren Blutspendern. Da Bob zunächst „positives Blut“ erhalten hatte, musste auch eine mögliche zweite Bluttransfusion wieder von einem Hund mit positiver Blutgruppe stammen. Das Problem: Die wenigsten Hundehalter kennen die Blutgruppe ihres Hundes. Im Ernstfall müssen deshalb oft mehrere Hunde kommen und getestet werden.
Meine eMobilitäts-, Lauf- und veganen Communities waren einfach unglaublich. Innerhalb kürzester Zeit meldete sich tatsächlich eine Hundehalterin aus dem Raum Frankfurt, deren Hund die passende Blutgruppe hatte und sofort losgefahren wäre, um Bob zu helfen. Diese Hilfsbereitschaft hat mich zutiefst berührt.
Am nächsten Tag stand die nächste Blutkontrolle an. Die Nacht war alles andere als gut, aber Bob begann endlich wieder zu fressen.
Und tatsächlich: Sein Hämokritwert war von 18 auf 22 gestiegen. Noch immer ein kritischer Wert, aber wir konnten dem vorgesehenen Spenderhund für diesen Tag erst einmal absagen.
Von da an ging es weiter bergauf.
Nur zwei Tage später war der Wert bereits von 22 auf unglaubliche 32 gestiegen! Bobs Normalwert liegt bei etwa 39.
Parallel dazu kehrten auch seine Lebensgeister zurück. Er fing wieder an zu hüpfen, zu rennen und zu spielen. Für eine Hundemama, die kurz davor war, ihren besten Freund zu verlieren, sind solche Momente unbeschreiblich.
Doch eine Frage bleibt bis heute offen: Was war eigentlich die Ursache für diesen massiven Blutverlust?
Wir tappen weiterhin im Dunkeln.
Fest steht lediglich, dass Bob am Abend, bevor er das Fressen einstellte und es ihm so schlecht ging, ein Schnitzel bekommen hatte. Eine Tierärztin vermutete zunächst eine mögliche Schweinefleischallergie – eine Erklärung, da Bob aus Marokko stammt und dort nie Schweinefleisch gefressen hat. Später stellte sich jedoch heraus, dass es gar kein Schweineschnitzel, sondern Kalbfleisch gewesen war.
Damit stehen wir wieder am Anfang.
Zum Glück scheinen die Magentabletten anzuschlagen. Bob verliert kein Blut mehr und bildet inzwischen wieder ausreichend eigenes.
Dieser Albtraum ist noch einmal gut ausgegangen. Er hat mir aber auch gezeigt, wie unglaublich wichtig ein funktionierendes Netzwerk ist.
Mein größter Dank gilt dem Spenderhund und seiner Familie, den Menschen, die unseren Blutspender-Notruf geteilt haben, allen, die uns in diesen schweren Tagen unterstützt haben, und ganz besonders dem finanziellen Unterstützer. Die Behandlungskosten beliefen sich auf rund 4.000 Euro.
Nicht jeder kann eine solche Summe aufbringen. Und genau das bedeutet für viele Hunde leider, dass am Ende nur noch die Einschläferung bleibt. Diesen Gedanken auszusprechen, tut weh. Ich bin dankbar, dass Bob diese Chance bekommen hat.
Ebenso danke ich von Herzen für die kühlen Räumlichkeiten, in denen wir während der fast 40 Grad heißen Tage unterkommen durften.
Jetzt hoffe ich, dass es weiter bergauf geht.
Denn eigentlich steht bereits Mitte Juli Baydas nächste Krebsoperation an, welche wir aber erst schaffen im August durchzuführen.
Bitte drückt meinem kleinen Krebs-Warrior weiterhin ganz fest die Daumen, dass er auch seine vierte Krebsoperation gut übersteht.







